Die Behandlungsplanung

gliedert sich in drei Bereiche:

Frühbehandlung im Milchgebiss:

Hauptbehandlung bei Kindern und Jugendlichen:

Spätbehandlung und Erwachsenkieferorthopädie:

Ab der Geburt bis zum Ende der 1. Wechselgebissphase (8. Lebensjahr)

Eine Erstvorstellung in der Praxis ist wünschenswert zur vorläufigen Diagnose und frühzeitigen Behandlungsplanung bei ausgeprägten Kieferfehlstellungen mit angeborenen Fehlstellungen/Fehlbildungen.

Ab dem 4. Lebensjahr ist eine kieferorthopädische Therapie von erblich bedingten Anomalien möglich, sowie eine vorbereitende Individualprophylaxe und Mundhygieneschulung.

Bei Zungenfehlfunktionen kann begleitend eine logopädische Therapie erfolgen.

Nach einer Ruhephase beginnt die 2. Wechselgebissphase mit dem 9./10. Lebensjahr; der Durchbruch der ersten kleinen Backenzähne (Prämolaren) zeigt dies an.

Diese 2. Wechselgebissphase ist die kieferorthopädische Hauptbehandlungsphase, da in dieser Zeit die wirksamste Wachstumssteuerung bei Kieferanomalien (Vorbisslagen oder Rückbisslagen, Kreuzbisse) erfolgt.

In Einzelfällen wird zusätzlich eine Korrektur von Einzelzähnen notwendig.

Grundsätzlich gibt es für die kieferorthopädische Behandlung heutzutage keine Alterbegrenzung mehr. Eine Behandlung kann nach Wachstumsabschluß (beim Mädchen ca. 16. Lebensjahr, Jungen ab ca. 18 Jahren) in jeder Lebensphase durchgeführt werden. Hier kann auch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Prothetik, der Implantologie, der Kiefergelenktherapie und Physiotherapie, sowie der Schnarchtherapie angezeigt sein.

Die Phase nach Abschluß des körperlichen Wachstums ist auch der geeignete Zeitraum für operative Eingriffe bei kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgischen Behandlungsfällen, die in enger Zusammenarbeit mit der Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie erfolgen können.

Die Behandlungskosten

Eine Behandlung kann je nach Schweregrad der Fehlstellung und der Therapieplanung Festsitzend oder Herausnehmbar mehrere Jahre dauern.

In dieser Zeit entstehen Kosten für die kieferorthopädische Planung und Behandlung, das Labor und die verwendeten Materialien. Grundlage der Abrechnung ist ein im Vorfeld erstellter Heil- und Kostenplan, der natürlich ausführlich besprochen wird.

Aufgrund sich häufig ändernder gesetzlicher Rahmenbedingungen (Sozialgesetzbuch V) ist eine genaue Klärung der Leistungspflicht Ihrer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung / Zahnzusatzversicherung erforderlich. Selbstverständlich stehe ich Ihnen gerne mit Rat und Information zur Verfügung.

Im Internet finden Sie ausführliche Informationen zum Thema Zahnzusatzversicherungen:
Ein Rechner für Zahnzusatzversicherungen im Internet und für einen Vergleich von Zahnzusatzversicherungen finden Sie unter: www.hanswaizmann.de/kfo

Gesetzliche Rahmenbedingungen (Sozialgesetzbuch V):

KIG – Kieferorthopädische Indikationsgruppen

Seit dem 1. Januar 2002 gelten die neuen kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG).
KIG ist das neue befundbezogene kieferorthopädische Indikationssystem mit Einstufung des Behandlungsbedarfs nach kieferorthopädischen Indikationsgruppen. Es hat das bisherige therapieorientierte Indikationssystem am 1.1.2002 abgelöst. Die Einführung erfolgte zur Reduktion der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen und damit der Kostenreduktion im Gesundheitswesen.

Der Kieferorthopäde hat anhand der kieferorthopädischen Indikationsgruppen (siehe Schema KIG) festzustellen, ob der Grad einer Fehlstellung so beträchtlich ist, dass ein Leistungsanspruch gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse besteht.

Mit dem KIG-Bewertungs-Schema soll der Zahnarzt – unmittelbar vor dem geplanten Behandlungsbeginn – bei der klinischen Untersuchung die Fehlstellung mit dem größten Behandlungsbedarf erkennen. Die Einstufung erfolgt in der Regel in der 2. Wechselgebißphase. Eine Ausnahme bilden hier Frühbehandlungen.

Die kieferorthopädischen Indikationsgruppen (Befunde) sind in fünf Behandlungsbedarfsgrade eingeteilt. Der Befund mit dem höchsten Behandlungsbedarf entscheidet über die Kostenübernahme. Nur bei den Graden 3, 4 und 5 hat der Versicherte einen Leistungsanspruch gegenüber seiner gesetzlichen Krankenversicherung.

Privat Versicherte und Beihilfeberechtigte:

Die Kostensituation bei nicht gesetzlich Versicherten ist abhängig von der Wahl und Erstattungssituation des individuell gewählten Versicherungstarifes. Alle Behandlungen werden auf der Grundlage der Gebührenordnung für Ärzte und Zahnärzte (GOÄ, GOZ) berechnet. Zur Abklärung der Leistungspflicht und Erstattungshöhe Ihrer privaten Krankenversicherung (PKV) erstelle ich gerne einen individuellen Behandlungsplan; eine Erstattung ist nicht immer in vollem Umfang gewährleistet, z.B. durch individuelle Auslegungen jeder einzelnen PKV, da keine gemeinschaftliche gesetzliche Grundlage entsprechend der GKV vorhanden ist.

Für beihilfeberechtigte Patienten gelten entsprechende Regelungen.

 

Schema KIG

Behandlungsbedraf Grad 1 2 3 4 5
Kraniofaziale Anomalien A Lippen- Kiefer- Gaumenspalte
bzw. andere kraniofaziale Anomalien
Zahnunterzahl
(Aplasie oder Zahnverlust)
U Unterzahl(Nur wenn präprothetische Kieferorthopädie oder
kiefer­orthopädischer Lückenschluss indiziert)
Durchbruchsstörungen S Retension
(außer 8er)
Verlagerung
(außer 8er)
Sagittale Stufe distal D bis 3 mm < 3 – 6 mm < 3 – 6 mm < 9 mm
mesial M 0 – 3 mm < 3 mm
Vertikale Stufe offen
(auch seitlich)
O bis 1 mm < 1 – 2 mm < 2 – 4 mm < 4 mm
habituell offen
< 4 mm
skelettal offen
tief T < 1 – 3 mm < 3 mm o/m Gingiva­kontakt < 3 mm traum. Gingiva­kontakt
Transversale Abweichung B Bukkal-/ Lingual­okklusion
K Kopfbiss beidseitiger Kreuzbiss einseitiger Kreuzbiss
Kontrapunkt­abweichung Engstand E < 1 – 3 mm < 3 – 5 mm < 5 mm
P > 1 mm bis 3 mm < 3 – 4 mm < 4 mm